Problemerhaltungssatz: warum Probleme sich führen statt lösen lassen

Problemerhaltungssatz

Kaum ist ein Problem beseitigt, taucht an anderer Stelle ein neues auf. Probleme lassen sich nicht lösen – aber führen.

Die Menge bleibt konstant

Wer in Organisationen arbeitet, kennt das Phänomen: Prozesse werden optimiert, Verantwortlichkeiten geklärt, die Organisation entwickelt – und perfekt wird es nie. Frei nach dem ersten Hauptsatz der Thermodynamik lässt sich das so fassen:

Die Menge an Problemen in einem System bleibt stets konstant. Die Frage ist nur, wer sie hat.

Widersprüche, nicht Fehler

Leben und Arbeit sind um Widersprüche organisiert, die sich nicht logisch auflösen lassen. Should I stay or should I go ist auf einer Party kein logisches Problem, sondern eine Frage des Zielzustands am nächsten Morgen. Für Organisationen gilt dasselbe – dort werden diese Zielzustände über Strategieprozesse erarbeitet.

Strategie beschreibt in einer ungewissen Umwelt eine gewünschte Zukunft, die dann Entscheidungen ermöglicht. Entscheidungen lösen keine Probleme. Sie schaffen Orientierung darüber, was gerade zählt. Strategie- und Entscheidungsarbeit sind damit eine Gemeinschaftsaufgabe des Führungssystems.

Wo die Probleme hingehören

Die Aufgabe von Führung ist nicht, für eine problemfreie Organisation zu sorgen, sondern für eine Organisation, die mit ihren Problemen gut umgehen kann. Wer sie dann hat? Das Führungssystem. Da gehören sie hin.

  • Entscheidungen sind Wetten. Es gibt keine richtigen Entscheidungen, sondern Wetten auf eine ungewisse Zukunft. Das anzuerkennen, ist der Anfang.
  • Mehrperspektivität nutzen. Nur unter möglichst umfassender Betrachtung der Optionslandschaft lässt sich die womöglich beste Entscheidung treffen.
  • Fehlerfreundlich und iterativ. Es ist in Ordnung, morgen zu erklären, dass die Entscheidung von gestern falsch war – und warum. Gut war trotzdem, sie gestern begründet getroffen zu haben.
  • Gute Erklärungsmuster. Sie leiten aus der Multipolarität der Umwelt eine Entscheidung von heute her und stiften Sinn für das organisationale Dasein.

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